Totentänze aus fünf Jahrhunderten

Der Totentanz, die in vielfältiger Form auftretende Darstellung der Gewalt des Todes über den Menschen, begegnet uns in der Literatur und in der bildenden Kunst vom 13. Jahrhundert an bis in die Gegenwart.

Die Nichtigkeit des Daseins und die Allgegenwärtigkeit des Todes bestimmten das menschliche Bewusstsein besonders in den Pest- und Kriegszeiten des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Ursprünglich dramatische Dichtungen und szenische Aufführungen mit kurzen Wechselreden zwischen dem Tod und den nach Rangfolge geordneten Vertretern der einzelnen Stände bildeten die Grundlage für die berühmten Totentanzfresken, die über Frankreich (La danse macabre) kommend die Wände vieler mitteleuropäischer Kirchen und Klöster schmückten. Die populärste Darstellungsform der Universalherrschaft des Todes war die Vorstellung eines Reigentanzes, zu dem der Tod in Form einer verwesenden Leiche oder später eines Gerippes die Lebenden auffordert oder auch zwingt. Eindrucksvollste Dokumente sind etwa der Lübecker oder der Baseler Totentanz.

Von der Wand- oder Tafelmalerei war es nur ein kleiner Schritt zur Darstellung der Totentänze in der Druckgraphik und Buchkunst. Die berühmte um 1525 entstandene Holzschnittfolge des Hans Holbein in ihrer neuen Auffassung vom Eintritt des Todes in das tägliche Leben des Individuums hat größten Einfluss auf die graphische Kunst der folgenden Jahrhunderte gehabt und Künstler wie etwa Matthäus Merian, Rudolf Meyer, J. R. Schellenberg, Daniel Chodowiecki, Thomas Rowlandson oder Alfred Rethel, Alfred Kubin und HAP Grieshaber zu eigenen Bearbeitungen des Themas angeregt.

Venator & Hanstein bietet in seiner nächsten Auktion am 30. September 2011 einen umfangreichen Bestand an Büchern und Graphik zu diesem Thema aus einer bedeutenden deutschen Privatsammlung an.

 
Holbein1562s
Hans Holbein d.J.
Totentanz (Die Edelfrau)

Les images de la mort ... Lyon 1562